Als Weekend-Hüttenhilfe auf der Dossenhütte

Schon zeitig im Frühjahr 18 habe ich mit Cyrille vereinbart, dass ich in dieser Saison ab und zu als "Springer" als Hüttenhilfe zur Verfügung stehen kann. Und das verlängerte Weekend 28.6.-1.7. ist so eines.

 

Am Donnerstag ist es noch ziemlich ruhig auf der Hütte - und am Morgen gibts noch Traumwetter, dann ein wenig dossenartige Einnebelung. Zeit für Cyrille und mich, uns aneinander zu gewöhnen. Wir kennen uns zwar schon lange, aber zusammen gearbeitet haben wir noch nie. Da wir zwei "Unkomplizierte" sind, sehen wir schnell, dass das gut laufen wird. Sechs Gäste sind dann auch nicht die grosse Herausforderung, zumal diese sehr pflegeleicht und sympatisch waren. Sie finden unsere Lasagne "himmlisch"  - wir auch ;). Es gibt dann noch eine späte Arrivee von 3 Gästen. Drei junge Kerle sind doch tatsächlich an einem Tag von Grindelwald her hoch auf die Hütte gelaufen. Zwei davon sind vorher noch nie gewandert - CHAPEAU!. Sie geben sich sehr Mühe, mit den für sie noch unbekannten SAC-Hütten-Gepflogenheiten zu Recht zu kommen, und wo es Schwierigkeiten gibt, da finden wir zusammen Lösungen.

 

Am Freitag dann, bei Kaiserwetter, das "übliche" Hüttenhilfeleben: Alles - Essraum, Küche, Vorraum, Treppenhaus, Waschräume, WC, Schlafräume wieder auf Vordermann bringen. Cyrille sagt dem "den Haushalt machen". Ziel ist, das so um 11 fertig zu haben und schon bald mit Vorbereitungen für das Essen der 20 Gäste zu beginnen. Fleissig trudeln schon Tages- und Übernachtungsgäste ein und es läuft den Tag über immer etwas. Zwischendurch reicht die Zeit manchmal, um mit einem Kafi auf das Mäuerchen zu sitzen und Richtung Rosenlaui hinunter zu schauen und dann in der Hütte drin zu kommentieren: "der Grat ist sauber" (=niemand im Anmarsch) oder eben "der Grat ist nicht sauber"...

Cyrille kocht Älplermakkronen vom Feinsten und wir erhalten viele Komplimente.

Obwohl wir nur 20 Gäste haben und gut organisiert sind in den Arbeiten, wird es nach 22 Uhr, bis wir "durch" sind. 

 

Samstag: Full House! Dave - der Hüttenpraktikant - kommt hoch. Um die Mittagszeit kommt er an und der Arme hat kaum Zeit sich vom Aufstieg ein wenig zu erholen. Es gibt einige Tagesgäste und die Übernachter trudeln nach und nach ein. Dave macht das Checkin und versorgt die durstigen Kehlen mit Getränken. Im Hintergrund bereiten Cyrille und ich bereits das Nachtessen für 50 Mäuler vor und ich wasche "vorewäg" Gläser und Geschirr von Kuchen, Tee, Rösti ab, damit wir nicht in einen geschirrlogistischen Notstand geraten.

Pünktlich um halb 7 können wir die Suppe servieren. Ich erlebe dann zum ersten Mal die legendäre Hüttenansprache von Cyrille. Weiter gehts mit einem Amusebouche (eine Spezialität auf der Dossenhütte) und dann mit Polenta und Gulasch-Voressen. Auch wir schnabeln kurz etwas herunter und verteilen dann noch das Dessert. Oder war es umgekehrt?

Nach dem Essen ist grosse Frühstücksbörse, das heisst Cyrill klärt mit allen, wann sie aufstehen und frühstücken wollen und Dave rechnet mit den Leuten die Übernachtungen und Konsumationen ab und verkauft Feierabendbiere, Schnäpse, etc.. Im Background kämpfe ich mich durch Geschirr und Besteck von 50 Gästen und habe zum Glück Hilfe von 2 lieben Abtrocknern/innen. Gegen Schluss dieser Aktion will es irgendwie nicht enden, immer wieder kommt neues Geschirr zurück von all den Feierabend-Bierchen. Ich weiss jetzt, wie es seinerzeit dem Sisiphus ergangen ist. Wäre nicht um 22.00 Nachtruhe gewesen, würde ich wohl jetzt noch abwaschen. 

Irgendwie sind wir alle so müde, dass wird ab dem kleinsten Witzchen kichern können. Trotzdem gilt es nochmals mit voller Konzentration das Frühstück vorzubereiten und Geschirr und Bsteck so zu tischen, dass es dann in Allerfrühe nicht zu Diskussionen kommt.

Kurz nach elf und einem verdienten Feierabendschnäpsli fallen wir in die "Federn".

 

Am Sonntag Morgen helfe ich noch kurz beim Hüttenputz mit und nach 10 Uhr mache ich mich auf den Heimweg. Bei den beiden Fussball-WM-Spielen schlafe ich mehr als ich zuschaue und träume wohl noch von himmlischem Gulasch, Abwäschtüechli, holländischer Dessertanleitung, Chriesi im Kafi, und lustigen Fragen von Gästen ("was möched die e so früeh am Morge?").

 

(Und heute Montag habe ich einen Muskelkater, der mich wohl erinnern will, dass man auch langsamer absteigen könnte).

 

Carpe Diem aus Hofdere

Urs